Pflanzenzüchtung von neuen robusten Traubensorten

Zusammen mit dem Rebzüchter Valentin Blattner aus Soyhières und dem Rebschulist Philipp Borioli aus Bevaix, haben wir uns ganz der Züchtung von pilzwiderstandsfähigen Traubensorten verschrieben. Mit diesen neuen robusten Traubensorten, den PIWIs, möchten wir die Weingärten der Zukunft pestizidfrei gestalten!

Rebzüchtung: Ende Mai / Anfangs Juni führt Valentin Blattner die eigendlichen Kreuzzüchtungen durch. Als Muttersorte dient meistens eine weingeschmacklich hervorragende, klassische- europäische Traubensorte (wie Cabernet Sauvignon). Diese wird kastriert, sprich die Staubfäden mit den Staubbeuteln werden entfernt. Danach erfolgt die gezielt- manuelle Bestäubung mit dem Pollen von einer pilzresistenten Vatersorte. Nach erfolgreicher Bestäubung und Befruchtung entwickeln sich die Beeren ganz normal, so dass im Herbst die Samen geerntet werden können.

Samenfeld: Die Samen werden im Gewächshaus vorgetrieben und im Mai in ein Samenfeld eingepflanzt. Jährlich werden so rund 30000 Samen ausgepflanzt. Bereits im ersten Jahr sterben in diesem Samenfeld rund 80% der Jungpflanzen ab, aus Resistenzmangel. Nach dem zweiten Jahr bleiben noch rund 200 Mutterpflanzen übrig, die optisch gute physiologische Eigenschaften besitzen und pilzresistent sind. Diese Mutterpflanzen werden nun genetisch untersucht. Nur diejenigen Mutterpflanzen werden weiter verfolgt, die genetisch mehrere Abwehrgene gegen die wichtigsten Pilzkrankheiten vorweisen.

Muttergarten: Von diesen mehrfach pilzresistenten Muttereben, noch alle mit Nummer versehen wie zum Beispiel die 1-28 (Reihe 1, Mutterstock 28), werden nun mittels vegetativer Vermehrung übers Holz, die ersten identischen Reben gemacht. Diese werden auf reblausresistente Unterlagen veredelt und in einem Muttergarten ausgepflanzt. Von einem Mutterstock können 5 bis 10 Nachkommen erzeugt werden. Im Muttergaten wird nun über 4 bis 5 Jahre die weitere Entwicklung beobachtet: ist es eine weisse oder rote Traubensorte? Hält die Pilzresistenz? Ist sie ertragsreich? Wie ist ihr Wuchsverhalten? Ist sie früh- oder spätreif? Wie fest sind die Beerenhäute? Wie aromatisch schmeckt sie? Wie viel Zucker produziert sie? Wie steht es mit der Säure?...

Nach rund 4 Jahren beiben im Muttergarten noch zwei bis vier Favoriten übrig, die alle unsere Züchtungsziele im freien Feld erfüllen. Um nun auch das mögliche Weinpotential mit dem Geschmacksprofil heraus finden zu können, muss ein erster Rebgarten angelegt werden. Nach weiteren 3 Jahren können nun die ersten Mikrovinifikationen realisiert werden. Diese ersten Versuchsweine werden von Fachleuten und Weinkonsumenten wiederholt blind verkostet. Schliesslich setzt sich nach rund 15 Jahren Arbeit aus 30000 Samen eine neue PIWI Traubensorte durch...

Bilder links unten:

Valentin Blattner und Philipp Borioli fachsimpeln im Samenfeld am Neuenburgersee.

Bild rechts unten:

Das Team vom Weingut Lenz an der Traubenreifebonitur im Muttergarten am Iselisberg.

Die Bildfolge oben dokumentiert die wichtigsten Arbeitsschritte um Jungreben zu produzieren.

Die Zusammenarbeit mit der Rebschule Borioli bei der Pflanzenzüchtung, führte auch zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit betreffend Jungrebenproduktion / Rebschule. Die Rebschule Boriolo ist seid 2020 ebenfalls biozertifiziert.

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